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Sind Rentner eine Gefahr am Steuer?

Rentnerin am Steuer eines Autos muss zur Fahrprüfung

Bereits seit mehreren Jahren werden immer wieder Stimmen laut, dass Senioren ab einem bestimmten Alter regelmäßige Fahrtests absolvieren sollten – und bei Nichtbestehen möglicherweise sogar ihren Führerschein abgeben sollten.
Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft fordert jetzt Fahrprüfungen für Menschen ab 75 Jahren. Sind Rentner am Steuer tatsächlich eine solch große Gefahr?

Die Politik hat sich bisher weitestgehend aus diesem heiklen Thema herausgehalten und älteren Menschen selbst die Einschätzung über den Erhalt ihrer Fahrtüchtigkeit überlassen. Versicherer fordern jetzt auf lange Sicht die verbindliche Einführung von Eignungstests für Rentner im Straßenverkehr.

Ein erster Schritt in Richtung verbindlicher Eignungstests könnten freiwillige Kontrollfahrten an der Seite eines Fahrlehrers sein.
Bei derartigen Kontrollfahrten könnte ein neutraler Begleiter eine unverbindliche Rückmeldung über die Fahrleistung von Senioren geben.
Eine freiwillige Option könnte die Akzeptanz bei den Älteren austesten. Die Beurteilung durch einen Fahrlehrer könnte zunächst lediglich eine Empfehlung sein und keinesfalls zwangsläufig den Verlust des Führerscheins bedeuten.
Jedoch besteht bei solch einem freiwilligen Modell die Gefahr, dass viele ältere Fahrer ihre Leistungen zu positiv einschätzen und eine Teilnahme an einem derartigen Test deshalb von vornherein für sich selbst ausschließen.

Wenn ein Rentner die Kontrolle über sein Auto verliert und Passanten anfährt, das Ende eines Staus überzieht, oder als Geisterfahrer die Autobahn unsicher macht, sorgen derartige Unfälle stets für Schlagzeilen in den Medien und bieten immer neuen Aufschwung für die hitzige Debatte um Eignungstests und Fahrverbote für Rentner.

Die Zahlen sprechen jedoch keine eindeutige Sprache.
Laut Unfallstatistiken sind 75% der Autofahrer über 75 Jahren, selbst die Verursacher von Unfällen, an denen sie beteiligt waren. Bei den Fahranfängern, im Alter von 18 bis 21 Jahren, liegt der prozentuale Anteil selbstverschuldeter Unfälle bei nur 70%.
Dahingegen besagt die amtliche Unfallstatistik jedoch, dass im Jahr 2015 exakt 20.303 Unfälle mit Personenschaden von Fahrern über 75 verursacht wurden. Bei den Fahranfängern waren es jedoch rund 5000 Fälle mehr.
Die absolute Zahl der Unfälle, die von Senioren verursacht werden, ist tatsächlich verhältnismäßig gering. Kritische Stimmen prognostizieren jedoch, dass der demografische Wandel in Zukunft zu einem drastischen Anstieg von Verkehrsunfällen mit Seniorenbeteiligung führen könnte.
Denn ganz außer Acht gelassen werden, können gesundheitliche Faktoren nicht. Beispielsweise das nachlassen der Sehstärke, schlechteres Gehör im Alter und eingeschränktere Beweglichkeit, können das Fahrverhalten von Rentnern negativ beeinflussen.

In den nächsten 30 Jahren wird sich der Anteil an über 80-Jährigen in der deutschen Bevölkerung verdoppeln und entsprechend auch die Anzahl autofahrender Senioren zunehmen.
Versicherungen, die Unfallschäden begleichen müssen, rufen daher jetzt zu Maßnahmen auf, wie den Fahrtests für ältere Autofahrer.